Ein Wissenschaflter mit Brille und Mundschutz schaut auf ein Reagenzglas, in dem eine Flüssigkeit ist

Foto: AlexRaths / Thinkstock

Gemeinsame Forschungsstelle (JRC)

Die Gemeinsame Forschungsstelle (englisch Joint Research Centre = JRC) ist eine Generaldirektion der Europäischen Kommission und fungiert als wissenschaftlicher Dienst für die Kommission. Die JRC arbeitet unabhängig von privaten oder wirtschaftlichen Interessen. Seit 1. Mai 2020 ist Stephen Quest Generaldirektor der JRC.



Die Aufgaben der JRC sind

  • Unterstützung bei der Formulierung von Unionspolitiken,
  • Mitarbeit bei Standardisierungs- und Normungsprozessen,
  • Produktion und Verbreitung von frei zugänglichem Wissen (beispielsweise Berichte, Publikationen, Datenbanken)
  • sowie die Zusammenarbeit mit Drittstaaten (etwa um EU-Standards zu verbreiten).

Der Hauptsitz der JRC befindet sich in Brüssel. Ein Großteil der wissenschaftlichen Arbeit erfolgt aber in den JRC-Forschungsstätten an fünf Standorten in Spanien (Sevilla), Italien (Ispra), Deutschland (Karlsruhe), Belgien (Geel) und Niederlande (Petten). Diese sind seit 2018 matrixartig organisiert in neun räumlich verteilten, virtuellen Wissenszentren (Knowledge Centres, KC) und sieben Kompetenzzentren (Competence Centres, CC). Während sich die Wissenszentren als "One-Stop-Shop" für bestimmte Themen verstehen, bündeln die Kompetenzzentren das Wissen zur Anwendung spezifischer Instrumente oder Fähigkeiten (beispielsweise Text Mining oder Technologietransfer).

Wissenszentren

  • Disaster Risk Management Knowledge Centre (DRMKC)
    Das DRMKC führt Wissen und Fakten zu transformativen und innovativen Prozessen im Bereich des Katastrophenmanagements zusammen, um die Resilienz gegenüber solchen Ereignissen zu erhöhen und evidenzbasierte Entscheidungen der EU zu unterstützen.
  • Knowledge Centre for Biodiversity
    Das Wissenszentrum für biologische Vielfalt bietet eine zentrale Anlaufstelle für wichtige Informationen über die biologische Vielfalt und die Auswirkungen entsprechend angepasster Politiken. Es dient zusätzlich der Überwachung der Fortschritte der EU-Strategie für biologische Vielfalt bis 2030.
  • Knowledge Centre for Bioeconomy (KCB)
    Das KCB sammelt und strukturiert bioökonomische Daten und macht diese Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit zugänglich. Es analysiert den Status Quo, sowie Fortschritte und die Wirkung von Bioökonomie auf Wirtschaft und Gesellschaft.
  • Knowledge Centre for Food Fraud and Quality (KC-FFQ)
    Das KC-FFQ forscht zu Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelbetrug. Das KC-FFQ koordiniert die Überwachung des Lebensmittelmarktes der EU, unterstützt bei der Setzung von Normen und Standards und betreibt Frühwarnsysteme und Informationssysteme für Lebensmittelbetrug.
  • Knowledge Centre for Territorial Policies (KCTP)
    Das KCTP ist eine neue Initiative der EU mit dem Ziel, das Wissensmanagement der EU zu Fragen der Regional- und Stadtentwicklung zu verbessern. Dafür stellt es verschiedene Instrumente zur Verfügung. Darunter sind das "Territorial Dashboard", die "Smart Specialisation Platform" oder der "Rhomolo Simulator".
  • Knowledge Centre on Cancer (KCC)
    Das KCC ist die Clearingstelle für die politische Entscheidungsfindung in den Bereichen Krebsprävention, Früherkennung, Behandlung und Überlebenshilfe. Zu diesem Zweck fungiert das KCC als Datenzentrum für Krebs über den gesamteuropäischen Gesundheitsdatenraum. Weitere Aufgaben des KCC sind die Verwaltung des EU-Krebsinformationssystems und die Entwicklung neuer europäischer Leitlinien und Qualitätssicherungssysteme für Krebsbehandlungen.
  • Knowledge Centre on Earth Observation (KCEO)
    Das KCEO ist eine Initiative der Europäischen Kommission zur Maximierung der politischen Nutzung von Produkten und Informationen aus Copernicus, dem Erdbeobachtungsprogramm der EU. Es bietet auch ein Forum für den Dialog mit den mit Copernicus verbundenen Durchführungsstellen und trägt dazu bei, Investitionen in die Erdbeobachtungsforschung der nächsten Generation und die technologische Entwicklung zu priorisieren.
  • Knowledge Centre on Global Food and Nutrition Security (KC-FNS)
    Die EU verfolgt das Ziel Hunger weltweit zu besiegen, Nahrungsmittelsicherheit herzustellen und den allgemeinen Ernährungsstatus zu verbessern. Dabei wird sie vom KC-FNS unterstützt, dass seine Arbeit auf Drittstaaten mit unzureichender Nahrungsmittelversorgung konzentriert. Alle Aktivitäten der EU in diesen Ländern werden vom KC-FNS beobachtet, um Lernprozesse anzustoßen, gute Praktiken zu verbreiten und die Effizienz der Aktivitäten in diesem Bereich zu verbessern.
  • Knowledge Centre on Migration and Demography (KCMD)
    Das KCMD unterstützt die EU-Institutionen bei der Formulierung von Politiken im Bereich der Demografie und Migration. Es arbeitet wissenschaftlich und evidenzbasiert; fokussiert auf ein umfassendes, globales Verständnis von Migrationstrends und Ursachen. Jährlich wird der "Atlas of Migration" veröffentlicht. Das KCMD betreibt außerdem verschiedene Datenbanken.

Kompetenzzentren

  • Competence Centre on Behavioural Insights
    Das Kompetenzzentrum für Verhaltensforschung hat den Auftrag, die politische Entscheidungsfindung in der EU mit Erkenntnissen über menschliches Verhalten zu unterstützen.
  • Competence Centre on Composite Indicators and Scoreboards (JRC-COIN)
    Das JRC-COIN setzt sein Fachwissen über statistische Methoden und technische Leitlinien zur Entwicklung zuverlässiger Verbundindikatoren ein, die für fundierte politische Entscheidungen genutzt werden können. Zu diesem Zweck verfügt das JRC-COIN über ein reichhaltiges Portfolio von mehr als 100 Indikatoren, wie zum Beispiel dem "Environmental Performance Index" oder dem "Global Innovation Index".
  • Competence centre on foresight – Megatrends Hub
    Das Kompetenzzentrum für Zukunftsforschung soll die Entwicklung einer Kultur der politischen Vorausschau innerhalb der Europäischen Kommission vorantreiben.
  • Competence Centre on Microeconomic Evaluation (CC-ME)
    Das Kompetenzzentrum für mikroökonomische Evaluierung trägt durch Evaluierung und datengestützte mikroökonomische Analyse der EU-Politik zu einer besseren Rechtsetzung und Ausgabenpolitik der EU bei und berät die EU-Institutionen und die Mitgliedstaaten bei der Nutzung von qualitativ hochwertigen Folgenabschätzungen.
  • Competence Centre on Modelling (CC-MOD)
    Neben der Politikberatung entwickelt und betreibt das CC-MOD MIDAS, eine Plattform auf der Modelle zur Wirkungsanalyse bereitgestellt werden.
  • Competence Centre on Technology Transfer (CC TT)
    Das CC TT verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz für den Technologietransferprozess und bietet Dienstleistungen in drei miteinander verbundenen Bereichen, die eine komplexe Wertschöpfungskette abbilden: Aufbau und Finanzierung von Technologietransfer sowie die Gestaltung von Innovationsökosystemen.
  • Competence Centre on Text Mining and Analysis
    Das Kompetenzzentrum für Text Mining und Analyse verwendet Text-Mining- und Analysewerkzeuge, um Informationen aus Online-Daten, einschließlich traditioneller oder sozialer Medien, oder aus großen öffentlichen oder geschützten Dokumentensätzen zu extrahieren.

Wissen für die Politik (K4P)

Seit der Gründung 2018 verwaltet die JRC die Plattform Knowledge4Policy (K4P) der Europäischen Kommission mit dem Ziel, das gesamte Wissen zur faktengestützten Politikgestaltung in einer einzigen Datenbank zusammenzuführen. Dafür sind die Wissensdienste, Wissenszentren und Kompetenzzentren der JRC auf K4P vertreten. Sie schlagen eine Brücke zwischen Politik und Wissenschaft.

Wissendienste

  • AI Watch
    Das Portal zur KI-Beobachtung dient der Überwachung der Entwicklung, Verbreitung und Auswirkungen von künstlicher Intelligenz für und in Europa.
  • Health Promotion and Disease Prevention Knowledge Gateway
    Das Wissensportal zur Gesundheitsförderung ist eine Online-Ressource mit strukturierten und aktuellen, von Fachleuten überprüften Informationen zu einer Reihe von Themen im Zusammenhang mit Ernährung, körperlicher Bewegung, alkoholbedingten Schäden und anderen Bereichen der Gesundheitsprävention bei nicht übertragbaren Krankheiten.

Ausstattung

Die JRC verfügt über hochwertige Infrastrukturen, Laboreinrichtungen, Anlagen und hochmoderne Messinstrumente. Beispiele hierfür sind der High-Flux-Reaktor, einer der stärksten Forschungs- und Testreaktoren in Europa oder der Van-de-Graaff-Beschleuniger, ein elektrostatischer Beschleuniger zur Produktion kontinuierlicher Protonen-, Deuteronen- und Helium-Ionenstrahlen. Weiterhin betreibt die JRC eine Vielzahl von öffentlichen Datenbanken. Seit einigen Jahren verfolgt die JRC konsequent eine Open-Access- bzw. Open-Data-Strategie in Bezug auf wissenschaftliche Veröffentlichungen und selbst erhobene Daten. Auch immer mehr Infrastrukturen lassen sich auf Antrag für wissenschaftliche und wirtschaftliche Zwecke nutzen.

Kooperationsmöglichkeiten

Es bestehen folgende Kooperationsmöglichkeiten mit den Instituten der JRC:

  • Abschluss einer Kooperationsvereinbarung über die gemeinsame Ausbildung für Doktoranden (Collaborative Doctoral Partnerships),
  • Beteiligung an Aktivitäten der JRC über Calls for Tender,
  • Hinzuziehen der JRC als Partner in einem EU-Projekt,
  • Nutzung der Infrastrukturen des JRC im Rahmen eines Forschungsprojekts,
  • Entsendung als Nationaler Experte / Nationale Expertin.

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