Nationale Kontaktstelle Europäische Missionen (NKS EU-Missionen)

Missionen sind EU-weite Forschungs- und Entwicklungsinstrumente, die ehrgeizige Ziele zur Bewältigung aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen durch interdisziplinäre Innovationen angehen und die Bevölkerung von Anfang an einbinden.

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 Adobe Stock / The Cheroke

Inspiriert wurde der Begriff der Mission durch die Apollo-11-Mission in den 1960er Jahren. Innerhalb eines Jahrzehnts wollten die USA damals die erste bemannte Mondlandung realisieren. Der neue, missionsorientierte Ansatz in Horizont Europa knüpft daran an. Er definiert die Missionen als zeitlich klar begrenzte, interdisziplinäre Instrumente für Forschung und Innovation (F&I), die einen klaren europäischen Mehrwert erbringen und ehrgeizige, aber realistische Ziele verfolgen. Sie sind geprägt durch eine starke Impact-Orientierung und eine besondere Sichtbarkeit – auch mit Blick auf die breitere Öffentlichkeit. Sie verfolgen im Vergleich zu anderen Instrumenten einen holistischen Ansatz. Das heißt, sie gehen über reine F&I-Aktivitäten hinaus und binden die Bürger mit ein. Sie laufen über maximal 10 Jahre neben den regulären Ausschreibungen des Rahmenprogramms. Missionen sollen Aktivitäten von der Grundlagenforschung bis hin zum Stadium kurz vor der Markteinführung beziehungsweise zur Einführung in die (gesellschaftliche) Praxis umfassen. Die Umsetzung erfolgt über einen eigenen Programmteil im Arbeitsprogramm von Horizont Europa. Anträge können über das Funding & Tenders-Portal der Europäischen Kommission eingereicht werden.

Die Missionen nutzen Synergien mit anderen Instrumenten innerhalb und außerhalb des Rahmenprogramms, beispielsweise durch Kooperationen mit thematisch passenden Europäischen Partnerschaftsinitiativen oder nationalen Initiativen, wie der "Nationalen Dekade gegen den Krebs".

Insgesamt wurden 5 konkrete Missionen definiert, die ihre Ziele bis 2030 erreichen sollen. Die Missionen wurden von eigenen Gremien, den sogenannten Missionsausschüssen (Mission Boards), erarbeitet. Pro Mission wurden von der Europäischen Kommission jeweils bis zu 15 hochrangige Expertinnen und Experten einberufen, die entsprechende Vorschläge erarbeitet haben. Die Europäische Kommission hat die Missionsvorschläge der Ausschüsse geprüft und am 29. September 2021 eine Mitteilung zu ihrer Entscheidung veröffentlicht. Damit sind die Europäischen Missionen offiziell gestartet.

Die aktuellen Missionen

Krebsbekämpfung

Ziel bis 2030: Die Lebensqualität von mehr als 3 Millionen Menschen verbessern

Maßnahmen zur Implementierung:

  • Umsetzung einer strategischen Forschungs- und Innovationsagenda, um Krebs besser zu verstehen und zu behandeln.
  • Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien.
  • Aufbau eines hohen Maßes an Zusammenarbeit innerhalb der vom Thema Krebs betroffenen Gruppen, Unterstützung eines Netzwerks aus umfassenden Infrastrukturen zur Krebsbekämpfung, Einrichtung der EU-Plattform zum Verständnis von Krebs "Understanding CANcer.eu" (UNCAN.eu) und des europäischen digitalen Zentrums für Krebskranke.
  • Gerechtigkeit beim Zugang zu Wissen, Forschung und Pflege sicherstellen.
  • Fördern von (sozialer) Innovation, neue Ansätze für öffentliche Auftragsvergabe, "Living Labs" und andere.
  • Erfahrungen und bewährte Verfahren unter den EU-Mitgliedstaaten teilen.
  • Kommunikation und Bürgerbeteiligung, in Behandlung befindliche Personen und Überlebende einbeziehen.

Anpassung an den Klimawandel

Ziel bis 2030: Unterstützen der Klima-Resilienz von mindestens 150 europäischen Regionen und Gemeinden

Maßnahmen zur Implementierung:

  • Einrichtung einer Umsetzungsplattform, um die Durchführung der Mission und die teilnehmenden Regionen zu unterstützen und zu koordinieren.
  • Zusammenarbeit mit 60 - 100 Regionen im Zeitraum 2021 - 2023; anschließend Zusammenarbeit mit weiteren 50 - 100 Regionen.
  • Entwicklung von mindestens 75 groß angelegten Demonstrationsvorhaben für die systemische Transformationen zur Klima-Resilienz in europäischen Regionen.
  • Identifizieren und Formulieren regionaler Transformationspfade unter Berücksichtigung der jeweiligen Klimaanfälligkeit vor Ort und der Innovationsbedarfe in der Region.
  • Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis: Kombination von thematischer Forschung mit der Umsetzung konkreter Maßnahmen.
  • Verbessern der Rahmenbedingungen für Umsetzungsmaßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel.
  • Inklusiver Ansatz: Einbeziehen aller relevanten Akteure wie öffentliche Verwaltungen, Privatwirtschaft sowie der Zivilgesellschaft (insbesondere Bürgerinnen und Bürger).
  • Bürgerinnen und Bürger sowie Politik dabei unterstützen, Klimarisiken zu verstehen, zu lernen mit diesen umzugehen und geeignete Anpassungsmaßnahmen umzusetzen.

Gesunde Ozeane und Gewässer

Ziel bis 2030: Wiederbeleben und Reinigen unserer Meere und Gewässer

Maßnahmen zur Implementierung:

  • Einrichtung eines Netzes von "Leuchtturmprojekten" in den Einzugsgebieten der Meere und Gewässer zur Umsetzung der Mission und zum Ausbau der Netze geschützter Meeresgebiete.
  • Einrichtung einer EU-weiten Initiative "Blue Parks", um neue Möglichkeiten zur Wiederherstellung und Erhaltung zu schaffen.
  • Unterstützung einer wirksamen Wasserbewirtschaftung durch ein digitales Wissenssystem mit dem Projekt "Digital Twin Ocean" und eine verbesserte Umweltüberwachung der Gesundheit der Ozeane.
  • Vermeiden und Beseitigen von Gewässerverschmutzung.
  • Schützen und Wiederherstellen der Meeres- und Süßwasser-Ökosysteme und der biologischen Vielfalt
  • Unterstützung wichtiger politischer Ziele der EU, beispielsweise die "EU-Biodiversitätsstrategie 2030" oder der "Aktionsplan Null-Verschmutzung".

Klimaneutrale und intelligente Städte

Ziel bis 2030: Aufbau 100 klimaneutraler und intelligenter Städte

Maßnahmen zur Implementierung:    

  • Einrichten einer Missionsplattform für klimaneutrale und intelligente Städte um technische, regulatorische und finanzielle Unterstützung für die an der Mission beteiligten Städte bereitzustellen.
  • Abschluss von Klimastadt-Verträgen zwischen Städten und ihren Bürgerinnen und Bürgern sowie lokalen Interessenträgern.
  • Start eines Portfolios von Forschungs- und Innovationsprojekten und Einrichten eines Zentrums für den globalen Wissensaustausch.
  • Ein Netz nationaler, lokaler und regionaler Gebietskörperschaften wird den Übergang der Städte zur Klimaneutralität unterstützen.
  • Einleiten eines systemischen Wandels durch sektorübergreifende Forschungs- und Innovationsmaßnahmen.
  • Aufsetzen groß angelegter Pilotprojekte zur Validierung von Konzepten.

Ein "Bodendeal" für Europa

Ziel bis 2030: 100 "Living Labs" und sogenannte Leuchtturmbetriebe für gesunde Böden

Maßnahmen zur Implementierung:    

  • Start der ersten Welle von Living Labs in Regionen in ganz Europa.
  • Einrichtung eines internationalen Forschungskonsortiums zur Kohlenstoffbindung im Boden und Einrichtung einer Koordinierungsplattform zur Überwachung des Netzes von 100 Living Labs und Leuchtturmprojekten.
  • Start einer Kampagne zur Bodengesundheit im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft "Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit" (EIP-AGRI) mit Schwerpunkt Land- und Forstwirtschaft.
  • Transdisziplinäre Forschung über 5 - 10 sogenannte "Living Labs" für verschiedene Bodentypen (zum Beispiel Wald, Industriegebiete, Städte etc.).
  • Soil Monitoring – Validieren und Weiterentwickeln von Indikatoren für Bodengesundheit und -funktionen.
  • Soil Literacy – Bodenkenntnis, Kommunikation und bürgerschaftliches Engagement.

Beratung zu Missionen

Zu den verschiedenen Ausschreibungen der Missionen beraten die offiziell nominierten Nationalen Kontaktstellen für Horizont Europa.