Der Europäische Forschungsraum

Eine Europakarte mit roten Stecknadeln, die in verschiedene Länder gepint sind.

Foto: Fuse / Thinkstock

Der Europäische Forschungsraum (EFR) bezeichnet einen gemeinsamen Raum der EU-Mitgliedstaaten für Forschung und Innovation. Know-how und Ressourcen werden gebündelt, damit Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen schnell und effizient gefunden werden können. Forscherinnen und Forscher, wissenschaftliche Erkenntnisse und Technologien sollen frei zirkulieren. Ein wichtiger Baustein des EFR ist das jeweilige EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation.

Grundlagen des Europäischen Forschungsraums

Die Historie in Kürze: Erste Initiativen zu einem Europäischen Forschungsraum gab es bereits Anfang der 1970er Jahre. Das Konzept für den Forschungsraum wurde beständig weiterentwickelt. Ein Meilenstein war die Kommissionsmitteilung "Hin zu einem Europäischen Forschungsraum" aus dem Jahr 2000. Damit wurde der Europäische Forschungsraum im Rahmen der Lissabon-Strategie 2000 bis 2010 zum zentralen Leitgedanken, an dem die Maßnahmen der Europäischen Union im Bereich der Forschung ausgerichtet wurden.

Seit Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon im Dezember 2009 ist die Verwirklichung des Europäischen Forschungsraums ein primärrechtlich verankertes Ziel der Europäischen Union (Artikel 179 AEUV) – eine wichtige Zäsur, denn: Die Umsetzung des Europäischen Forschungsraums wurde damit zur vertraglichen Aufgabe der Europäischen Union und der Mitgliedstaaten.

Die Europa-2020-Strategie (2010 - 2020) mit ihrer Leitinitiative "Innovationsunion" setzte im vergangenen Jahrzehnt den Kurs auf "Innovation" und den Fokus auf "Impact" (Wirkung). Der Beitrag von Forschung und Entwicklung zur Wirtschaftskraft rückte damit stärker in den Vordergrund. Die Mitgliedstaaten hatten sich auf die ERA Roadmap 2015 - 2020 geeinigt, einen gemeinsamen Fahrplan zur Umsetzung des EFR. In diesem Rahmen wurden jeweils nationale EFR-Aktionspläne aufgestellt. Deutschland hat dazu bereits 2014 die Strategie der Bundesregierung zum Europäischen Forschungsraum mit mehr als 40 Maßnahmen verabschiedet. Durch die regelmäßigen Fortschrittsberichte zum EFR konnte die Umsetzung der gemeinsamen Prioritäten in den Mitgliedstaaten nachvollzogen werden. Die sich laut EFR-Fortschrittbericht 2018 verlangsamende Dynamik hat unter anderem den Anstoß gegeben, die Ausrichtung des Europäischen Forschungsraumes zu überdenken.

Die Prioritäten des Neuen Europäische Forschungsraums ab 2020

Im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 wurde daher eine Neuausrichtung des EFR angestoßen. Der grüne und der digitale Wandel sind die Eckpfeiler der EU-Wachstumsstrategie für die Dekade bis 2030. Wertgeleitetes Handeln und die Orientierung der Politik am konkreten Nutzen für die Bürger sowie ein stärkeres Europa in der Welt sind Ziele, die auch maßgeblich für die Weiterentwicklung des EFR sind.

Am 30. September 2020 hat die Europäische Kommission die Mitteilung "Ein neuer EFR für Forschung und Innovation" veröffentlicht. Die Ratsschlussfolgerungen zum Europäischen Forschungsraum vom 1. Dezember 2020 unterstützten diese Initiative. Die Mitteilung der Kommission enthält einen Fahrplan mit vierzehn Maßnahmen zum weiteren Ausbau des EFR in den Mitgliedstaaten und Regionen. Die Ratsschlussfolgerungen greifen diese Maßnahmen auf und ergänzen sie um weitere. EFR-Pilotmaßnahmen, die 2021 schwerpunktmäßig vorangetrieben werden, sind die European Open Science Cloud (EOSC), eine Initiative zum "grünen Wasserstoff", die bürgerwissenschaftliche Initiative "Plastic Pirates – Go Europe!" und die Weiterentwicklung von EURAXESS zu einer EFR-Talentplattform.

Die Weiterentwicklung des Europäische Forschungsraums steht ab 2020 im Zeichen der folgenden vier Prioritäten:

  1. Investitionen und Reformen priorisieren
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  2. Den Zugang zu Exzellenz verbessern
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  3. Forschungs- und Innovationsergebnisse in der Wirtschaft umsetzen
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  4. Den EFR vertiefen
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Im Mittelpunkt stehen ehrgeizige Investitionsziele auf nationaler Ebene, eine bessere Verknüpfung von Wissenschaft und Wirtschaft und die Anhebung des Exzellenzniveaus der Forschungssysteme in der EU. Die Anhebung des Exzellenzniveaus soll erreicht werden, indem Forschung und Bildung besser verknüpft werden und indem Forschende und Forschungseinrichtungen aus schwächeren Mitgliedstaaten systematisch eingebunden werden. Die EFR-Schwerpunkte Forschungsinfrastrukturen, Forschungspartnerschaften, Mobilität der Forschenden, Open Science sowie Aspekte der Gleichstellung und die Zusammenarbeit mit Partnern aus Nicht-EU-Ländern sind Teil dieser Prioritäten. Neu ist das Gewicht, dass der Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern in Forschungs- und Innovationsprozesse beigemessen wird. Europaweite partizipatorische Bürger-Wissenschaftskampagnen wie "Plastic Pirates – Go Europe!" sollen eine breite Öffentlichkeit für europäische Forschung begeistern.

Wie seine Vorgängerprogramme auch trägt Horizont Europa durch seine thematischen Programmbereiche zur Umsetzung dieser EFR-Prioritäten bei. Erstmals seit dem sechsten EU-Forschungsrahmenprogramm unterstützt Horizont Europa strukturelle Reformen im EFR wieder mit einem eigenen Programmteil: "Erhöhung der Beteiligung und Stärkung des Europäischen Forschungsraums".

 

Definition Europäischer Forschungsraum (EFR, engl. European Research Area, ERA)

Die Umsetzung eines Europäischen Forschungsraums, in dem Forschende Freizügigkeit genießen und wissenschaftliche Erkenntnisse und Technologien frei ausgetauscht werden, ist eine gemeinsame Aufgabe der EU und der Mitgliedstaaten (Artikel 179 AEUV). Ziel ist es, die Forschungssysteme in den Mitgliedstaaten zukunftssicher zu machen, Ressourcen zu bündeln und kohärente Rahmenbedingungen für Forschende in Europa zu schaffen. So sichert sich die EU ihren Status im weltweiten Wettbewerb. Das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, Horizont Europa, ist ein wichtiges Instrument zur Umsetzung des Europäischen Forschungsraums (Artikel 180 AEUV). Der Forschungsraum ist jedoch weit mehr als die EU-Rahmenprogramme. Denn mehr als 90 % der gesamten Mittel für Forschung in der EU sind nationale Mittel der einzelnen Mitgliedstaaten. Mit diesen Mitteln sichern die Mitgliedstaaten und Regionen die Durchschlagskraft EU-weiter Ziele, Vereinbarungen und Maßnahmen im Forschungsbereich.