Mehrere Hände greifen nach oben

Wissenschaft mit der und für die Gesellschaft

Das Einzelziel "Wissenschaft mit der und für die Gesellschaft" in Horizont 2020, dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation

Forschung und Innovation sollen nicht für sich stehen, sondern mit der Gesellschaft verwoben sein. Durch einen fruchtbaren Dialog und eine aktive Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Gesellschaft will der Programmteil "Wissenschaft mit der und für die Gesellschaft" (Science with and for society) ein besseres gegenseitiges Verständnis und einen besseren gegenseitigen Wissenstand erreichen. Außerdem stehen die Verantwortung von Forschung gegenüber der Gesellschaft im Fokus sowie die Generation der Forschenden von morgen.

"Wissenschaft mit der und für die Gesellschaft" ist ein Programmteil in Horizont 2020, dem Rahmenprogramm für Forschung und Innovation. Es ist außerhalb der drei Schwerpunkte "Wissenschaftsexzellenz", "Führende Rolle der Industrie" und "Gesellschaftliche Herausforderungen" angesiedelt und hat ein Fördervolumen von 444,9 Mio. Euro . Es ist das Nachfolgeprogramm von "Wissenschaft in der Gesellschaft" aus dem 7. EU-Forschungsrahmenprogramm.

Das Einzelziel "Wissenschaft mit der und für die Gesellschaft" konzentriert sich weniger auf einzelne Forschungsbereiche, sondern fördert Aspekte, die bereichsübergreifend eine hohe Relevanz für exzellente Forschung und Innovation haben. Es unterstützt Maßnahmen in unterschiedlichen Themen und spricht Zielgruppen aus einer Vielzahl an wissenschaftlichen Disziplinen und verschiedenen Sektoren an. Dabei gilt der Top-Down-Ansatz, d. h. Förderthemen sind vorgegeben. Die geförderten Maßnahmetypen sind überwiegend Koordinierungs- und Unterstützungsmaßnahmen sowie vereinzelt Forschungs- und Innovationsmaßnahmen. 

"Wissenschaft mit der und für die Gesellschaft" konzentriert sich auf die Schwerpunkte: 

  • Junge Menschen und Wissenschaftskarrieren: Die Attraktivität von wissenschaftlichen Laufbahnen soll bei jungen Menschen mit Projekten gefördert werden, die das Interesse und das Grundverständnis für Wissenschaft stärken und den Austausch zwischen Schulen, Forschungseinrichtungen, Wirtschaft und Organisationen der Zivilgesellschaft verbessern.
  • Chancengleichheit: Aktivitäten werden gefördert, die die Gleichstellung von Frauen und Männern in Forschung und Innovation unterstützen. Dabei stehen die Förderung eines institutionellen Wandels in Einrichtungen sowie der Inhalt und die Gestalt von Forschungstätigkeiten im Vordergrund.
  • Einbeziehung der Gesellschaft: Dieser Schwerpunkt zielt darauf ab, Interessen und Werte von Bürgerinnen und Bürgern zu berücksichtigen, indem sie in Fragen, Strategien und Tätigkeiten der Wissenschaft einbezogen werden. Dadurch kann die Qualität und gesellschaftliche Akzeptanz von Forschungs- und Innovationstätigkeiten verbessert werden.
  • Wissenschaftliche Allgemeinbildung: Das Programm sieht eine Förderung der Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern in der Wissenschaft durch formelle und informelle wissenschaftliche Bildung und die Verbreitung wissenschaftlicher Aktivitäten vor.
  • Verbesserter Zugang: Der freie Zugang (Open Access) und die Nutzung der Ergebnisse von mit öffentlichen Mitteln finanzierter Forschung sollen ausgebaut werden.
  • Governance für verantwortungsvolle Forschung und Innovation sowie Ethik: Dieser Teilbereich hat die Erarbeitung einer Strategie für den Ausbau verantwortungsvoller Forschung und Innovation zum Ziel sowie die Förderung eines ethischen Rahmens für Forschung und Innovation.
  • Risikoabschätzung: Durch Projekte dieses Schwerpunktes sollen bei Forschungstätigkeiten potenzielle Folgen für Umwelt, Gesundheit und Sicherheit bewertet werden.
  • Wissenschaftskommunikation: Aktivitäten sollen Kenntnisse über dieses Thema erhöhen, damit die Interaktion von Wissenschaftler/innen, allgemeinen Medien und der Öffentlichkeit verbessert wird.

"Wissenschaft mit der und für die Gesellschaft" als Querschnittsthema

Themen des Programmteils "Wissenschaft mit der und für die Gesellschaft" werden als bereichsübergreifende Aspekte auch in anderen Bereichen von Horizont 2020 berücksichtigt. Dies gilt zum Beispiel für die Förderung der Geschlechtergleichstellung in der Wissenschaft oder für das Thema verantwortungsvolle Forschung und Innovation. Damit ist ein Prozess gemeint, bei dem alle gesellschaftlichen Akteure – Forschende, Bürger/innen, Entscheidungsträger/innen, Unternehmen - während des gesamten Forschungs- und Innovationsprozesses zusammenarbeiten, damit Ergebnisse an Werten, Bedürfnissen und Erwartungen der europäischen Gesellschaft ausgerichtet sind.

Beitrag zur Umsetzung des Europäischen Forschungsraums

Das Einzelziel "Wissenschaft mit der und für die Gesellschaft" unterstützt mit seinen Projekten die Umsetzung des Europäischen Forschungsraums (EFR). Mit dem EFR schaffen die EU-Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission einen gemeinsamen Raum für Forschung und Innovation mit harmonisierten Rahmenbedingungen. Das vereinfacht die Zusammenarbeit in der Wissenschaft und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit Europas. Zur weiteren Ausgestaltung des EFR hat die Europäische Kommission im Jahr 2012 folgende Prioritäten vorgeschlagen:

  • Effektivere nationale Forschungssysteme 
  • Optimale länderübergreifende Zusammenarbeit und entsprechender Wettbewerb
  • Ein offener Arbeitsmarkt für Forscherinnen und Forscher
  • Gleichstellung der Geschlechter und Berücksichtigung des Gleichstellungsaspekts in der Forschung
  • Optimaler Austausch von, Zugang zu und Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen, auch über den digitalen EFR

Insbesondere Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit, zur Attraktivitätssteigerung von Wissenschaftskarrieren und zur verbesserten Zugänglichkeit und Nutzung von Forschungsergebnissen tragen im Programmteil "Wissenschaft mit der und für die Gesellschaft"  zur Verwirklichung des EFR maßgeblich bei.