MOEZ-Studie

Rote Würfel mit weißen Buchstaben bilden die Wörter "Innovation" und "Technology"

Die Verhandlungen zu den Verordnungsvorschlägen der Kommission für das neue Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, Horizont 2020, sind in vollem Gange. Eine der großen Herausforderungen bei der Gestaltung der künftigen Instrumente der europäischen Forschungs- und Innovationsförderung ist neben der inhaltlichen Ausrichtung und einer effektiven und effizienten Umsetzung auch die Sicherung eines breiten Zugangs zu Horizont 2020 für die Akteure in ganz Europa.

"Beteiligung der mittel- und osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten am 7. FRP" – BMBF-Studie des Fraunhofer-Zentrums für Mittel- und Osteuropa untersucht Erfolge und zeigt Zukunftsperspektiven auf

Die Mitgliedstaaten stimmen überein, dass das Exzellenzprinzip in Horizont 2020 erhalten bleiben muss. Eine wichtige Aufgabe ist, einer "Unterrepräsentierung" von Einrichtungen aus einigen Mitgliedsstaaten oder Regionen entgegenzuwirken, auf die die Expertengruppe für die Zwischenevaluierung des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms (7. FRP) mit Blick auf die "neuen", insbesondere die mittel- und osteuropäischen Mitgliedsstaaten (EU10) hingewiesen hat.

Eine vom Fraunhofer-Zentrum für Mittel- und Osteuropa (MOEZ) vorgelegte Studie beleuchtet die Erfolge der mittel- und osteuropäischen Staaten im Exzellenzwettbewerb um Fördermittel aus dem EU-Forschungsrahmenprogramm erstmals vor dem Hintergrund der nationalen Forschungs- und Innovationssysteme.

Estland und Slowenien gehören zur Gruppe der erfolgreichen EU-Mitgliedstaaten, die – gemessen an ihrer Größe – eine höhere Beteiligung aufweisen können als die "alten" Mitgliedstaaten im Durchschnitt. Die übrigen mittel- und osteuropäischen Staaten weisen jeweils spezifische Stärken auf. Wesentliche Faktoren für eine erfolgreiche Beteiligung am Forschungsrahmenprogramm sind strukturelle Voraussetzungen wie eine gute finanzielle Grundausstattung vor allem der Forscher selbst, aber auch der Universitäten und Forschungseinrichtungen, wissenschaftliche Exzellenz, der Grad der Vernetzung von Einrichtungen sowie deren Managementkapazitäten und vorangegangene Erfahrungen in der Beteiligung an internationalen Programmen. Die Studie spricht eine Reihe von Empfehlungen aus, die auf eine Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der Forschungs- und Innovationssysteme, eine entsprechende Ausrichtung der Forschungspolitiken, auf die Stärkung des Europäischen Forschungsraums und in der Konsequenz auf eine verbesserte Beteiligung am Forschungsrahmenprogramm zielen.

Die politische Debatte hat Auswirkungen auf alle Instrumente der europäischen Forschungs- und Innovationsförderung, zu denen auch die EU-Strukturfonds gehören. Denn mit einem Budget von ca. 50 Mrd. Euro für Forschung und technologische Entwicklung im engeren Sinne sind sie im laufenden Programmzeitraum eine dem Volumen nach dem Forschungsrahmenprogramm entsprechende Investitionsquelle, die vorrangig für den Kapazitätsaufbau und die Entwicklung des Forschungspotenzials in den europäischen Regionen eingesetzt werden soll ("staircase to excellence"). Ein Großteil davon steht den mittel- und osteuropäischen Staaten zur Verfügung. Der Mittelabfluss ist allerdings in vielen dieser Staaten unbefriedigend, so dass die Möglichkeiten der Strukturfonds zur Schaffung der Grundlagen für eine intensivere Beteiligung am FRP nicht voll genutzt werden.

Die Studie wurde im Auftrag des EU-Büros des BMBF vom Fraunhofer-Zentrum für Mittel- und Osteuropa (MOEZ), Leipzig, durchgeführt, um die Frage der "Unterrepräsentierung" einzelner Mitgliedstaaten zu untersuchen und sachliche Argumente für die aktuelle Diskussion zu gewinnen. Darüber hinaus liefert sie auch wichtige Erkenntnisse für die Beurteilung der unterschiedlichen Beteiligungsintensität der deutschen Länder, bei denen nach wie vor ein Gefälle zwischen alten und neuen Bundesländern besteht, und für die Entwicklung angemessener Strategien.