Entwicklung neuartiger Ideen (FET Open)

Eine weiße Leiter ragt in einen blauen Himmel hinauf

Foto: Orlando florin Rosu / Thinkstock

FET Open fördert unkonventionelle neue Forschungsideen im Frühstadium, die auf fundamentale Durchbrüche für neue Technologien abzielen. Dabei sollen bestehende Paradigmen hinterfragt und Forschung an der Grenze des Wissens ermöglicht werden. Die Einreichung für FET Open ist einstufig.

FETOPEN-01-2018-2019-2020: FET-Open Challenging Current Thinking (FETOPEN-01)

Anträge in dieser Ausschreibung umfassen maximal 15 Seiten für die Teile 1 bis 3: Excellence, Impact und Implementation. Der Schwerpunkt der Begutachtung liegt auf dem Bereich Exzellenz, also der Idee und der gewählten Methodik für das Forschungsvorhaben. Dieser Bereich wird mit 60 % gewichtet. Die Bewertungen für Impact und Implementation fließen mit je 20 Prozent in die Gesamtwertung ein.

FET Open ist technologieoffen. Erfolgreiche Projekte legen die Grundlagen für radikal neue Zukunftstechnologien. In dieser Ausschreibung bestimmen "drei FET Gatekeeper" den Charakter von erfolgreichen FET-Projekten:

siehe untenstehende Bildbeschreibung

Bildbeschreibung

FETOPEN-01 richtet sich an interdisziplinär ausgerichtete Konsortien aus Universitäten, außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie hoch innovativen Unternehmen und Hightech-KMU. Für ein Projekt werden mindestens drei voneinander unabhängige Partner aus drei verschiedenen EU-Mitgliedstaaten oder zum Rahmenprogramm assoziierten Ländern benötigt.

Einreichungsfristen gab es etwa alle acht Monate. Die nächste und letzte Frist ist am 03. Juni 2020 (ursprünglich 13. Mai 2020). In dieser Ausschreibung erwartet die Europäische Kommission  Anträge mit einem Budget von bis zu drei Millionen Euro. Das Gesamtbudget für den FET Open Call stieg im letzten Horizont-2020-Arbeitsprogramm deutlich an und macht das Programm insgesamt erheblich attraktiver. Für die Einreichungsfrist 2020 stehen rund 196 Millionen Euro zur Verfügung.

FET Open zeichnete sich vor allem zu Beginn von Horizont 2020 durch eine sehr hohe Beteiligung aus; Die Erfolgsquoten waren entsprechend niedrig. Mittlerweile hat sich die Zahl der eingereichten Anträge und damit auch die Erfolgsquote stabilisiert. Im Januar 2019 wurden 420 Projekte eingereicht. Von den insgesamt vierhundert evaluierten Projekten wurden 53 für eine Förderung ausgewählt, das macht eine Erfolgsquote von 13,3 %. Fünf Projekte aus dieser Runde werden aus Deutschland koordiniert. Insgesamt gehen in dieser Ausschreibungsrunde 21,7 Millionen Euro an deutsche Einrichtungen. Im September 2019 wurden 418 Anträge eingereicht und 50 davon zur Förderung ausgewählt. Dies entspricht einer Erfolgsquote von fast 12 %. 60 von insgesamt 315 Partnern in erfolgreichen Projekten kommen aus Deutschland, dies entspricht einer Erfolgsquote von knapp 18 %. 11 von 50 Projekten werden aus Deutschland koordiniert. Insgesamt konnten in dieser Runde 34,15 Millionen Euro von deutschen Antragstellern eingeworben werden.

Insgesamt standen in den ersten fünfeinhalb Jahren der Laufzeit von Horizont 2020 für FET Open rund 680 Millionen Euro bereit, mit denen über zweihundert Projekte gefördert werden konnten.

Projektbeispiele mit deutscher Koordination:

  • MS SPIDOC (Mass Spectrometry for Single Particle Imaging of Dipole Oriented protein Complexes) – koordiniert vom Heinrich-Pette-Institut Hamburg – zielt auf die Entwicklung eines neuartigen Massenspektrometer-Prototyps für eine optimierte Einzelmolekülabbildung. Dieser soll die Aufklärung von Proteinstrukturen entscheidend optimieren.
  • Das Projekt MEMO (Mechanics with Molecules) – koordiniert von der TU Dresden – wird die Entwicklung molekularer Motoren und Getriebe deutlich voran bringen. Diese sollen nicht nur allein, sondern auch gemeinsam agieren können. Eines der Ergebnisse des Projektes soll die Entwicklung einer industriellen Roadmap für den atomaren Maschinenbau sein. Im Projekt soll außerdem eine molekulare Rechenmaschine entstehen.
  • Weitere von Deutschland koordinierte Projekte sind: LiRichFCC, DIACAT, IBSEN und NCLas.

Die gesamte Antragstellung für FET Open erfolgt über das Teilnahmeportal der Europäischen Kommission.

FETOPEN-03-2018-2019-2020: FET Innovation Launchpad (FETOPEN-03)

Mit dem FET Innovation Launchpad soll noch laufenden oder erst kürzlich beendeten Projekten der Weg aus den Labors in Richtung Anwendung in Wirtschaft oder Gesellschaft geebnet werden. Alle Anträge für ein FET Innovation Launchpad müssen einen expliziten Bezug zu einem geförderten FET-Projekt aufweisen. Das heißt jedoch nicht, dass Antragstellende direkt in ein FET-Projekt involviert sein müssen. Notwendig ist aber der Nachweis über einen Zugang zu den Projektergebnissen.

Anträge in FETOPEN-03 umfassen maximal sieben Seiten für die Teile 1 bis 3: Excellence, Impact und Implementation. Die Bereiche Excellence und Impact werden mit je 40 % gewichtet. Der Bereich Implementation fließt mit 20 % in die Gesamtwertung ein.

Gefördert werden Maßnahmen, die im ursprünglichen Antrag noch nicht enthalten waren und die geeignet sind, Forschungsergebnisse zu einer höheren Marktreife zu führen. Dies können Marktbeobachtungen oder -studien, die Anbahnung von Industriekontakten, die Sicherung von Patenten oder andere maßgeschneiderte, projektspezifische Aktivitäten sein, die soziale oder technologische Innovationen befördern. Ausgeschlossen ist die Förderung weiterer Forschungsaktivitäten. Für diese Koordinierungs- und Unterstützungsmaßnahmen (CSA) können bis zu 100.000 Euro beantragt werden. Die nächsten und letzte Einreichungsfristen ist der 14. Oktober 2020 (3 Millionen Euro). Für die letzte Einreichungsfrist in Horizont 2020 ist eine Pauschalzahlung von 100.000 € pro Projekt vorgesehen.

Bei der letzten Ausschreibung der FET Innovation Launchpads im Oktober 2018 wurden aus 38 Anträgen 25 Anträge für eine Förderung ausgewählt. Daraus ergibt sich eine Erfolgsquote von 66 %. Zum Stichtag im Oktober 2019 wurden nicht alle Mittel abgerufen, da die Beteiligung so gering war. Insgesamt wurden 22 Anträge evaluiert. 14 Anträge mit insgesamt 21 Partnern wurden für eine Förderung ausgewählt. Damit lag die Erfolgsquote bei 63,6 %. Die Kommission stellt für die 14 erfolgreichen Anträge knapp 1,4 Millionen Euro bereit. Es hätten 2,7 Millionen Euro ausgegeben werden können. An 5 der 14 Projekte auf der Main List sind KMU beteiligt (mit jeweils 1 KMU). Zwei Projekte wurden von deutschen Koordinatoren eingereicht. Beide erreichten die Main List.

Projektbeispiele mit deutscher Koordination:

  • NeuroMotive (NeuroRobotics Platform Application to Traction Control for Automotive Industry), koordiniert von der Technischen Universität München, zielt auf die Entwicklung eines Dienstes für Traktionskontrolle für die Automobilindustrie ab. Neben der Entwicklung noch fehlender Schnittstellen geht es in dem Projekt um Marktanalyse, Geschäftsplanentwicklung und den Kontakt mit Endnutzern.
  • E-SPECTR (Excitation Spectroscopy Sensor) koordiniert von der CYBERTRONICA UG GmbH aus Deutschland, entwickelt eine Sensortechnologie, die auf der Anregungs-Antwort-Dynamik von Proben (organische Objekte und Materialien, Gewebe oder Flüssigkeiten) basiert, die in elektrische Wechselfelder eingebettet sind. Das System der Proben im elektrischen Feld wird auf optische, magnetische oder thermische Weise angeregt. Mit dem  Anregungsspektroskopie-Sensor, der während der vorherigen Projektdurchführung als Prototyp entwickelt wurde, wird eine Strategie entwickelt, die auf einen globalen Markt von Sensorgeräten abzielt.
  • In den vorangegangenen Ausschreibungsrunden gab es mit QUSMI und SmartNurse zwei erfolgreiche Projekte aus Deutschland.

Mehr Informationen können der aktuellen Ausschreibung entnommen werden.