Adressierung großer interdisziplinärer FuE-Herausforderungen (FET Flagships)

Eine weiße Leiter ragt in einen blauen Himmel hinauf

Foto: Orlando florin Rosu / Thinkstock

Die FET Flagships sind ehrgeizige, Agenda-basierte Forschungsinitiativen, die auf zehn Jahre angelegt sind. Ziel ist es, die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anzuziehen und dauerhaft europäische Exzellenzzentren zu etablieren, die auf ihrem Gebiet weltweit führend sind. Im Januar 2013 starteten die ersten beiden Flagships:

Human Brain Project (HBP): Ziel ist es, mit Hilfe der Integration neurowissenschaftlicher Daten und Methoden aus unterschiedlichsten Disziplinen ein neues Verständnis des Gehirns zu erlangen, neuartige Behandlungsmöglichkeiten für Hirnkrankheiten zu erforschen und neue biologisch inspirierte Computertechnologien zu entwickeln. Koordinator ist die Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (Schweiz). Unter den derzeit 131 Partnern sind 27 deutsche Einrichtungen (Stand März 2019) – darunter das Forschungszentrum Jülich, renommierte Universitäten und einige Unternehmen.

Graphene Flagship: Ziel ist die rasche wirtschaftliche Nutzung von Graphen und ähnlichen zweidimensionalen Materialien in den Bereichen Informations- und Telekommunikationstechnologie, Materialwissenschaft, Energie- und Lebenswissenschaften. Das Konsortium besteht aus über 150 Forschungsgruppen aus 23 Ländern sowie über sechzig assoziierten Mitgliedern und wird federführend durch die Chalmers University of Technology (Schweden) koordiniert. Aus Deutschland sind 25 Partner beteiligt (Stand Juli 2019), darunter die Max-Planck-Gesellschaft, Bosch, BASF sowie namhafte Universitäten.

Mit den Flagships entwickelte die Europäische Kommission einen neuen Ansatz für die kooperative Forschung in Europa. Das Flagship-Modell sieht so aus, dass es immer ein großes Kern-Projekt gibt, um das sich eine große Zahl von Partnerprojekten gruppiert. Dieses Modell erlaubt die flexible Integration neuer Partner, wenn sich die Anforderungen an das Flagship ändern.

Die FET Flagships werden durch Maßnahmen des ERA-Nets FLAG-ERA unterstützt.

Quantentechnologie Flagship

Im April 2016 verkündete die Europäische Kommission in ihrer Mitteilung zur Europäischen Cloud-Initiative den Start eines weiteren Flagships zur Quantentechnologie. Mit diesem Flagship verfolgt die EU das Ziel, die neuen Entwicklungen im Bereich der Quantentechnologie zu beschleunigen und damit die Grundlage für Hochleistungsrechner der nächsten Generation zu legen. Im Oktober 2018 ging das Flagship in seine operative Phase. Weitere Informationen zu den Zielen des Flagships finden sich auf der Webseite qt.eu.

Eine Schlüsselrolle im Quanten-Flagship kommt QuantERA zu. Dieses transnationale ERA-Net soll nationale Ressourcen und den Aufbau neuer Infrastrukturen in gemeinsamen Ausschreibungen koordinieren.

Für 2019 und 2020 sind folgende Topics im Call „FET FLAGSHIPS – Tackling grand interdisciplinary science and technology challenges“ vorgesehen:

  • FETFLAG-04-2020: Quantum Flagship - ERA-NET Cofund
    Ziel ist es, die Vernetzung und Koordinierung der nationalen Aktivitäten zur Unterstützung des Quanten-Flagships zu stärken, indem ein gemeinsamer Aufruf zur Einreichung von Vorschlägen durchgeführt wird, die sich in erster Linie an Dritte richtet. Im Antrag sollte dargelegt werden, wie das ERA-NET die Lücken in der strategischen Forschungsagenda schließt, die von dem Flagship nicht abgedeckt werden.  Die Aktivitäten dürfen sich nicht mit laufenden Maßnahmen überschneiden, die von der EU im Rahmen des FET-Programms unter Horizont 2020 kofinanziert werden. Die Fördersumme für das ausgewählte Projekt beträgt 15 Millionen Euro.
  • FETFLAG-05-2020 (RIA): Complementary call on Quantum Computing
    Mit bahnbrechender Miniaturisierung und Skalierbarkeit von Quantencomputern, insbesondere bei der Herstellung hochwertiger Qubits, die effizient miteinander verbunden oder auf Tausende von Qubits skaliert werden können und mit den Fertigungstechniken der Halbleiterindustrie kompatibel sind, soll die europäische Wertschöpfung im Bereich der Quantencomputer angekurbelt werden. Die Vorschläge können  Aktivitäten von der Grundlagenforschung bis zur angewandten Forschung einschließlich Demonstratoren  umfassen. Die Projekte sollen eine Laufzeit von vier Jahren haben und die Förderung bis zu 4,7 Millionen (Software) und 15 Millionen (Hardware) Euro betragen. Alle Projekte sollten eine schriftliche Kooperationsvereinbarung mit den vom Quantentechnologie Flagship finanzierten Projekten abschließen, um aktiv an den gemeinsamen Aktivitäten teilzunehmen. Pro Subtopic (Software/Hardware) soll mindestens ein Projekt gefördert werden.
  • FETFLAG-06-2020 (CSA): International Cooperation on Quantum Technologies
    Diese CSA soll einen Fahrplan für die internationale Zusammenarbeit liefern, in dem dargelegt wird, wo die Stärken Europas liegen, welche Kompetenzen in Europa fehlen und in welcher der Zielregionen diese Kompetenzen erworben werden können. Zielländer sollen hier die USA, Kanada und Japan sein.  Für die Projekte ist eine Laufzeit von drei Jahren und eine Förderung von bis zu 500.000 Euro vorgesehen.
  • FETFLAG-07-2020 (CSA): Training and Education on Quantum Technologies
    Hier soll ein Pilotprogramm entworfen werden, das auf die Entwicklung eines qualitätskontrollierten pädagogischen Masterstudiengangs für Quanteningenieurwesen und industrielle Anwendungen mit europaweiter Reichweite abzielt. Es sollte in Zusammenarbeit mit  Akteuren der europäischen Industrie entwickelt und auf den Weg gebracht werden, um ein Programm bereitzustellen, das die konkreten Bedürfnisse der Industrie in der Qualitätssicherung berücksichtigt. An dem Projekt sollten mindestens fünf EU-Staaten oder mit Horizont 2020 assoziierte Länder teilnehmen und der Antrag sollte darüber hinaus einen Plan für die europaweite Verbreitung beinhalten. Die Förderung beträgt bis zu 300.000 Euro.

Die Einreichungsfrist für Anträge für die Topics FETFLAG-05-2020 (RIA), FETFLAG-06-2020 (CSA) und FETFLAG-07-2020 (CSA) ist der 13. November 2019. Die Ausschreibung für FETFLAG-04-2020 (ERA-NET-Cofund) öffnet am 6. Februar 2020, Frist ist der 7. Mai 2020.