Mehrere Hände halten eine Weltkugel hoch

Internationale Zusammenarbeit (6. Herausforderung)

Horizont 2020 bietet vielfältige Möglichkeiten mit Partnern aus nicht-europäischen Drittstaaten zu kooperieren. Gemeinsame Interesse und beidseitiger Nutzen bilden die Grundlage für eine erfolgreiche internationale Zusammenarbeit. Gezielte Maßnahmen fördern die internationale Zusammenarbeit und ergänzen die generelle Offenheit des Rahmenprogramms für Forschung und Innovation.

Unterscheidung zwischen Assoziierten Staaten und Drittländern

Unter der internationalen Zusammenarbeit im Rahmenprogramm wird die Kooperation mit Forschenden und Einrichtungen gefasst, die weder aus den 28 Mitgliedstaaten noch aus den Assoziierten Ländern stammen. In Horizont 2020 sind folgende Länder assoziiert: Albanien, Bosnien & Herzegowina, Färöer-Inseln, Island, Israel, Mazedonien (EJR), Moldau, Montenegro, Norwegen, Serbien, Türkei und die Ukraine (ab 2015). Tunesien gilt ab dem 1. Januar 2016 als zum Rahmenprogramm assoziiert. Das Assoziierungsabkommen, das am 1. Dezember 2015 unterzeichnet wurde, umfasst die Jahre 2016 - 2020 und wird noch durch das tunesische Parlament ratifiziert.

Mit der Schweiz hat sich die EU auf eine provisorische Teilassoziierung zu Horizont 2020 geeinigt. Diese Regelung wird in einem internationalen Abkommen zwischen der EU und der Schweiz festgeschrieben, das im Dezember 2014 unterzeichnet wurde. Damit gilt die Schweiz rückwirkend bereits ab dem 15. September 2014 als assoziiertes Land zu den folgenden Programmbereichen von Horizont 2020:

  • In dem Schwerpunkt Wissenschaftsexzellenz, d. h. beim Europäischen Forschungsrat, den Künftigen und neu entstehenden Technologien (FET), den Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen und den Forschungsinfrastrukturen
  • sowie in dem Teilbereich Verbreitung von Exzellenz und Ausweitung der Beteiligung.

In diesen Bereichen sind Schweizer Forschende automatisch förderfähig und zählen auch zu der Mindestanzahl an Partnern für Projekte. In den Schwerpunkten "Führende Rolle der Industrie" und "Gesellschaftliche Herausforderung" gilt die Schweiz weiterhin als industrialisiertes Drittland.

Karte mit farblicher Hervorhebung der EU-Mitglied- und der zu Horizont 2020 assoziierten Staten

Teilnahme von Drittstaaten in Horizont 2020

Die internationale Zusammenarbeit in Horizont 2020 verfolgt drei zentrale Ziele:

  • Stärkung der Exzellenz und Attraktivität der Union in den Bereichen Forschung und Innovation wie auch ihrer wirtschaftlichen und industriellen Wettbewerbsfähigkeit
  • Bewältigung globaler gesellschaftlicher Herausforderungen
  • Unterstützung der auswärtigen Politik der Union

Grundsätzlich ist die internationale Zusammenarbeit in fast allen Programmbereichen von Horizont 2020 möglich. Ausnahmen bilden hier beispielsweise das KMU-Instrument, die Risikofinanzierung und Fast Track to Innovation. Partner aus Drittstaaten können gemeinsam mit Forschenden aus den 28 EU-Mitgliedstaaten und Assoziierten Staaten an einem EU-Projekt teilnehmen. Dafür muss ein Konsortium in der Regel drei unabhängige Partner aus drei unterschiedlichen Mitglied- und Assoziierten Staaten enthalten. Darüber hinaus können beliebig viele Partner aus Drittstaaten eingebunden werden, bspw. Universitäten, Stiftungen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Forschende.

Finanzierung von Partnern aus Drittstaaten

Es besteht auch die Möglichkeit einer finanziellen EU-Förderung von Forschenden und Einrichtungen aus Drittstaaten. Dabei unterscheidet Horizont 2020 zwischen verschiedenen Ländergruppen:

  • Industrie- und Schwellenländer
    - z. B. USA, Australien, Japan, Korea, Singapur sowie die BRIC-Staaten (Brasilien, Indien, China, Russland) und Mexiko
  • Länder der Erweiterungs- und Nachbarschaftspolitik
    - Mittelmeerpartnerländer, westliche Balkanstaaten, osteuropäische und zentralasiatische Staaten
  • Entwicklungsländer
    - Afrika, die pazifischen und karibischen Staaten, Lateinamerika, Asien

Für Horizont 2020 gibt es eine lange Liste an Drittstaaten, die bei Teilnahme automatisch förderfähig sind. Vereinfacht gilt folgende Grundregel: Partner aus den Entwicklungsländern und den Länder der Erweiterungs- und Nachbarschaftspolitik werden finanziell gefördert. Forschende aus den Industrie- und Schwellenländern können zwar in Horizont 2020 teilnehmen, erhalten für die Beteiligung aber in der Regel keine finanzielle Förderung. Sie werden nur in Ausnahmenfällen gefördert, falls dies

  • in einem F&E-Kooperationsabkommen definiert ist
  • im Rahmen einer Ausschreibung vorgesehen ist (expliziter Hinweis zur Förderfähigkeit einzelner Drittstaaten)
  • für den Projekterfolg notwendig ist (z. B. herausragende Expertise, Zugang zu Forschungsinfrastrukturen/Daten, geografische Besonderheiten)

Ansonsten müssen Einrichtungen aus den Industrie- und Schwellenländern eigene finanzielle Ressourcen einbringen oder nationale Fördermittel ersuchen.

Instrumente der Internationalen Zusammenarbeit in Horizont 2020

Neben der generellen Öffnung sind insbesondere folgende Instrumente zur Umsetzung der internationalen Zusammenarbeit in Horizont 2020 vorgesehen:

  • gezielte Ausschreibungen mit empfohlener Beteiligung von Drittstaaten
  • gemeinsame Initiativen mit internationalen Partnern, bspw. gemeinsam finanzierte Calls, ERA-NETs und Artikel-185-Maßnahmen
  • spezifische horizontale Maßnahmen zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit in der 6. gesellschaftlichen Herausforderung "inklusive, innovative und reflektive Gesellschaften", u. a. Unterstützung der Politikdialoge, Identifikation gemeinsamer thematischer Prioritäten und Trainings.